Es gibt kaum eine medizinische Intervention, die so viele Menschenleben rettet wie Impfungen. Jedes Jahr werden weltweit zwei bis drei Millionen Tode durch Impfungen vermieden. Ganze Krankheiten wurden auf diesem Wege so gut wie vernichtet; darunter Pocken und Polio. Die World Health Organisation war lange Zeit begeistert mit diesen Zahlen. Man dachte, dass wir mittels Impfungen bestimmte Krankheiten systematisch aus unseren Statistiken vertreiben könnten. Es sah auch tatsächlich danach aus, als wäre diese Vorstellung realistisch … bis vor Kurzem.

In den letzten zehn Jahren gab es unter einer bestimmten Schicht der Bevölkerung Widerstand gegen Impfungen, was große Konsequenzen mit sich bringt hinsichtlich der Sterberate. Auch in Deutschland.

Etwa 190.000 Menschen sind im letzten Jahrzehnt hierzulande an Erkrankungen gestorben, gegen die es eigentlich einen Impfstoff gibt. Heruntergebrochen heißt es, dass seit 2007 mehr als 280 Menschen an den Spätfolgen von Masern ums Leben gekommen sind — FDP Gesundheitspolitiker Wieland Schinnenburg warnt allerdings, dass diese Schätzungen nicht alle masernassoziierten Todesfälle erfassen.

In einem Interview mit der Welt erklärt der Präsident des Robert Koch Instituts, Lothar Wieler, dass jede nicht-entstandene Impfung zu einer Krankheit führen kann. „Es gibt praktisch bei allen Impfungen und in allen Altersstufen Impflücken“ so Wieler. Demzufolge ist beispielsweise die Zahl der Masernfälle in Bayern gestiegen, ebenso erkranken immer mehr Bewohner in Rheinland Pfalz an Windpocken und Keuchhusten.

Woher kommt diese Anti-Impf-Bewegung?

Diese Bewegung wäre ohne das Internet fast nicht möglich. Heutzutage wenden sich Eltern mit Ihren Fragen und Bedenken oft nicht mehr an den behandelnden Arzt, sondern das Internet. Hier finden sich allerdings nicht nur die Meinungen von Medizinern und Wissenschaftlern, sondern auch von solchen ohne medizinische Ausbildung.

Hauptsächlich stellen die Befürworter der Anti-Impf-Bewegung die Sicherheit, Effizienz und Notwendigkeit der Impfpräparate in Frage. In den meisten Fällen sind die Argumente darauf ausgerichtet, eine Verbindung zwischen Impfungen und Autismus herzustellen. Und das ist genau der Punkt, wo der Zweifel Fuß fassen kann. Eine Google-Suche nach Studien, die

sich mit dieser Frage auseinandersetzt wird eine Bandbreite an Ergebnisse ernten. Das reicht schon aus, um genug Unsicherheit in einer Mutter zu schaffen, dass sie “sicherheitshalber” lieber nichts tut.

Wie sollen Ärzte darauf reagieren?

Erstens ist es wichtig zu erwähnen, dass Sie als Arzt die Macht haben, Missverständnisse aufzuklären. Laut einer Studie sind Ärzte immer noch die Informationsquelle, der die Mehrheit der Bürger in Sachen Impfungen am Meisten vertrauen. Mit anderen Worten: Wie Sie sich dazu äußern wird einen großen Einfluss haben.

Ärzte sollten Impfungen als ein “Muss” darstellen und nicht als ein “Kann”. Das heißt natürlich nicht, dass medizinisches Personal die Ängste und Sorgen der Eltern nicht ernst nehmen oder respektieren sollten. Einfühlsam und empathisch sollten Sie die Eltern auf seriöse Informationsquellen hinweisen, die die enormen Vorteile von Impfungen erläutern.

Darüber hinaus zählen auch die kleinen nicht-verbalen Kommunikationswege. Hängen Sie beispielsweise ein paar Plakate in Ihren Warteraum, die auf die Risiken (und Konsequenzen) der Anti-Impf-Bewegung ein Licht werfen. Ähnliche Informationen können Sie auf Ihre Webseite stellen. Zum Glück müssen Sie diese Informationen nicht selbst zusammenstellen. Impfen-info.de stellt einige Daten zu diesem Zweck kostenlos zur Verfügung.

Größer Denken und Handeln

Letzten Endes ist dieses nicht nur ein medizinisches Problem. Auch die Politik und Bildungsinstitutionen werden sich engagieren müssen, um die Anti-Impf-Bewegung aufzuklären. Dazu können Sie beispielsweise mit anderen Ärzten und Schulen kollaborieren, um Workshops, Infoabende usw. zu veranstalten. So können Sie die Glaubwürdigkeit, die Sie als Arzt besitzen, nutzen, um Unwissen zu bekämpfen.