Schlafstörungen: Immer öfter steckt Medienkonsum dahinter

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Schlafstörungen: Immer öfter steckt Medienkonsum dahinter
© Wordley Calvo Stock - stock.adobe.com

Schwierigkeiten mit dem Ein- und Durchschlafen sind Beschwerden, mit denen die meisten Ärztinnen und Ärzte in ihrem Praxisalltag häufig zu tun haben. Dann wird in der Regel zuerst versucht, eine Ursache für die Schlafstörungen zu identifizieren. Das ist oftmals gar nicht so einfach, denn auch vermeintliche Kleinigkeiten können den gesunden Schlaf beeinflussen. Besonders eine Ursache für gestörten Schlaf nimmt seit Jahren immer mehr Raum ein und ist vielen Patientinnen und Patienten gar nicht als solche bewusst – Sie betrifft auch immer mehr Kinder und Jugendliche: Es ist der zunehmende Medienkonsum, der immer mehr Menschen den Schlaf raubt.

Medienkonsum nimmt stetig zu

Mit der Entwicklung der digitalen Technik hat der Medienkonsum in der Gesellschaft immer mehr zugenommen. Vor wenigen Jahrzehnten war in vielen Haushalten der Fernseher noch der einzige „Übeltäter“. Mittlerweile wird jedoch nahezu jeder Haushalt auch von PCs, Laptops, Tablets und natürlich dem allgegenwärtigen Smartphone bevölkert. Insbesondere Letzteres ist immer dabei und liegt bei vielen Menschen auch zur Schlafenszeit griffbereit auf dem Nachttisch. Eine Untersuchung unter Jugendlichen ergab, dass das Smartphone von ihnen im Schnitt 100 Mal am Tag aktiviert wird.

Auch vor dem Einschlafen geht der letzte Blick häufig auf das Smartphone.

In vielerlei Hinsicht bereichern die Geräte natürlich unser Leben und sind nicht mehr wegzudenken. Aber der steigende Medienkonsum bringt auch Probleme mit sich. Immer mehr Menschen bekommen die Folgen von Bewegungsmangel zu spüren, können nicht mehr richtig abschalten, haben das Gefühl einem medialen Idealbild entsprechend zu müssen oder werden sogar mit Cybermobbing konfrontiert. Und das stundenlange Blicken auf Bildschirme bringt mitunter auch den Schlafrhythmus durcheinander.

Blaues Licht stört den Schlaf

Es liegt nicht unbedingt nur an den medialen Inhalten, dass Menschen nach der Beschäftigung mit Laptop oder Smartphone schlecht schlafen. Unter anderem wird der Schlaf-Wach-Rhythmus durch Licht beeinflusst. Wenn es dunkler wird, beginnt der Körper mit der Bildung des Schlafhormons Melatonin. Und hier ist Licht nicht gleich Licht. Auch die Wellenlänge und damit die Farbe des Lichts entscheidet.

Es ist vor allem das blaue Farbspektrum, das beim abendlichen Medienkonsum für Probleme mit dem Schlaf sorgen kann.

Es wirkt eher aktivierend auf den menschlichen Körper und verhindert die Bildung des Schlafhormons. Müdigkeit und Schlaf treten dadurch erst später ein und die Nachtruhe verkürzt sich. Erschöpfung und Konzentrationsstörungen sind am nächsten Tag die Folge.

Medienkonsum gehört ins Anamnesegespräch

Kommen PatientInnen mit Schlafproblemen in die Sprechstunde, sollte die Frage nach dem (abendlichen) Medienkonsum also auf jeden Fall gestellt werden.

  • Idealerweise sollte zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen auf den Medienkonsum verzichtet werden. So kann auch der Geist zur Ruhe kommen. Insbesondere für Kinder ist das wichtig. Aus dem Schlafzimmer werden die Geräte am besten verbannt.
  • Wer nicht auf den abendlichen Medienkonsum verzichten kann oder will, sollte zumindest Schutzmechanismen nutzen. Viele Geräte verfügen heute über einen Abendmodus, um den Anteil des blauen Lichts zu reduzieren. Auch entsprechende Bildschirmfolien oder Filterapps für das Smartphone sind verfügbar.
  • Besser als gefiltertes Licht sind aber ein paar Stunden „Digital Detox“. Das gilt übrigens nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für Ärztinnen und Ärzte, die allein schon beruflich bedingt mittlerweile ebenfalls auf lange Mediennutzungszeiten kommen.

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