Die neue Generation Helden – wie Hollywood mit Krankheit umgeht

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Krankheit und Hollywood

In der Welt der Schönen und Reichen scheint alles immer perfekt: Die Bilderbuchkarriere, die perfekte Ehe, das Strandhaus in Malibu und edle Roben bei Preisverleihungen. Krankheit oder persönliche Schicksalsschläge passen vielleicht auf die Titelseiten der Klatschblätter, haben aber auf dem roten Teppich nichts zu suchen. Zumindest war das so, als Hollywood in den Kinderschuhen steckte und die Traumfabrik hauptsächlich damit beschäftigt war, ihre Stilikonen wie Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder Grace Kelly zu feiern. In leichten Komödien, Liebes- und Musikfilmen verzauberten sie weltweit ihr Publikum.

Natürlich gibt es keinen guten Thriller ohne Psychopathen und der wird meistens von einem Helden zur Strecke gebracht. Vor allem psychische Störungen gehören zum Grundrepertoire, wenn es um den klassischen Bösewicht geht. Schaut man aber auf die neueste Kinogeneration, so stellt man fest, dass Krankheit im Film längst kein Tabuthema mehr ist und neue Helden längst nicht so unantastbar sind wie früher. Im Gegenteil: Moderne Helden dürfen nicht vollkommen sein. Eigentlich werden sie interessanter, je unperfekter und gebeutelter sie sind. Inzwischen zählen Darstellungen von unheilbar Kranken zur Königdisziplin und werden nicht selten mit einem Oscar belohnt. Das Thema Krankheit ist längst salonfähig und füllt Jahr für Jahr die Kinos – manchmal sogar recht unterhaltsam. Diese Hollywood-Filme machen es vor.

„Ich bin vielleicht bald nicht mehr ich selbst“

Dieses Zitat aus dem Film „Still Alice“, beschreibt die Gedanken eines Menschen im Frühstadium einer Alzheimererkrankung sehr gut. Für ihre Darstellung einer Linguistin, die mit Anfang 50 an Alzheimer erkrankt und nach und nach aus dem Leben katapultiert wird, bekam Julianne Moore 2015 zurecht den Oscar als beste Hauptdarstellerin. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 120 und 160 000 Menschen an dieser Form von Demenz. Etwa jeder 13. über 65 ist von der Krankheit betroffen. Kleine Schusseligkeiten, Gedankenaussetzer und am Ende findet man beim Joggen nicht mehr den Weg nach Hause – „Still Alice“ beschreibt einfühlsam wie sich Alzheimer in den Alltag schleicht und welche Probleme damit einhergehen. Aber auch, und das ist das Schöne, wie Angehörige und Betroffene mit der Krankheit umgehen können.

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Volkskrankheit Krebs – Heilung ist Einstellungssache

Düstere Aussichten: Die WHO erwartet, dass bis 2030 jährlich mehr als 21 Millionen Menschen neu an Tumoren erkranken – Tendenz steigend. Dank Frühdiagnostik, bedeutet Krebs heutzutage aber nicht automatisch ein Todesurteil. Früh genug erkannt, sind einige Krebsarten wie Darm-, Brust- oder Magenkrebs inzwischen so gut erforscht, dass sich die Chancen auf Heilung drastisch verbessern. Eine Krebstherapie ist kein Zuckerschlecken, doch vielleicht begegnet Hollywood dem Thema gerade deshalb mit Humor und Hoffnung: Heilung ist Einstellungssache! Außerdem gibt es immer noch die „Löffel-Liste“ (engl. Bucket List) von Dingen, die man tun möchte, bevor man den Löffel abgibt.

In der Tragikkomödie „Das Beste kommt zum Schluss“ mimt Jack Nicholson an der Seite von Morgan Freeman den unheilbar an Krebs erkrankten Milliardär Edward Cole, der noch im Krankenhaus den Entschluss fasst, seine Liste abzuarbeiten. Ein Besuch des Taj Mahals, ein Fallschirmsprung und die Besteigung des Mount Everest sind nicht die einzigen Punkte, die Cole mit seinem Leidensgenossen abhaken muss. Ähnlich geht es Martin Brest (Till Schweiger) und Rudi Wurlitzer (Jan Josef Liefers) im Roadmovie „Knockin‘ on Heaven’s Doors“, die der Krebs nicht davon abhält ein letztes Mal ans Meer zu fahren. Mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humors geht es in der US-Serie „Breaking Bad“ zu. Fünf ganze Staffeln kann man dem an Lungenkrebs erkrankten Chemielehrer und Familienvater Walter White (Bryan Cranston) dabei zusehen, wie ihn die Krankheit mehr und mehr in die Drogenszene treibt – natürlich um den Nachlass aufzustocken.

Philadelphia und andere Mythen

Ein Oscar ging an Tom Hanks für seine Darstellung des aufstrebenden Anwalts Andrew Beckett, der mit dem HI-Virus infiziert ist und dadurch seine Anstellung verliert. 1997 war „Philadelphia“ der erste Hollywood-Film, der sich kritisch mit Homosexualität und HIV auseinandersetzte. Wie in „Breaking Bad“, verfällt auch im preisgekrönten Bio-Drama „Dallas Buyers Club“ der aidskranke Rodeo-Reiter Ron Woodroof dem Handel mit Illegalem. Auch wenn der „echte“ Ron Woodroof im wahren Leben durchaus bisexuell war, versuchte man im Film die Aids-Thematik nicht nur auf die Schwulenszene zu beschränken und auf Lücken in der HIV-Therapie hinzuweisen. AIDS ist zwar nach wie vor unheilbar, die Forschung aber ein ganzes Stück weiter: Der Schlüssel könnte in der Gentherapie liegen.

ALS – Manche Krankheiten brauchen Prominenz

Man kann über Hollywood sagen was man will – manchmal bringt es die richtigen Themen auf den Tisch. Zum Beispiel Erkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose, kurz: ALS. Eine unheilbare Nervenkrankheit, die chronischen Muskelschwund verursacht und deren akuter Verlauf eine Lebensdauer von 6 Monaten in der Regel nicht übersteigt. Natürlich trug die von der ALS Association (ALSA) initiierte Ice-Bucket-Challenge dazu bei, dass die Krankheit auch in den sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit sorgte, aber manchmal reicht auch ein Film – oder ein prominentes Gesicht: Profifußballer Krysztof Nowak, Maler Jörg Immendorf oder der berühmte Physiker Stephen Hawking. Sein Leben verhalf dem Drama „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zu etlichen Oscar-Nominierungen, und der Öffentlichkeit zu einem sensiblisierteren Umgang mit Themen wie ALS.        

 

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