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Jobbeschreibung Engel: Wie sieht der Aufgabenbereich von Menschen aus, die sich in der Persönlichen Assistenz professionell um Behinderte kümmern?

Jobbeschreibung Engel: Wie sieht der Aufgabenbereich von Menschen aus, die sich in der Persönlichen Assistenz professionell um Behinderte kümmern?

© Charlie's - stock.adobe.com

Die Persönliche Assistenz ist für Menschen mit einer schwerwiegenden Behinderung fast die einzige Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden zu wohnen und trotzdem eine perfekte Betreuung zu genießen. Neben der Betreuung in einem Pflegeheim und der Versorgung durch die eigenen Angehörigen ist sie die perfekte Kombination aus Selbstbestimmung und einer fast vollständigen Teilhabe am sozialen Leben. Doch wie sieht der Arbeitsbereich in der Persönlichen Assistenz eigentlich aus, welche Qualifikation haben die persönlichen Assistenten und Assistentinnen?

Persönliche Assistenz – was ist das?

Teilhabe an der Gesellschaft, Zugang zu kulturellen Ressourcen und Teilnahme an der politischen Willensbildung sind Rechte, die allen Menschen in Deutschland zustehen. Die Persönliche Assistenz ist eine Möglichkeit, Menschen mit Behinderung eine möglichst umfassende Inklusion zu gewährleisten. Das Aufgabengebiet, das die Persönliche Assistenz abbildet, ist entsprechend groß. Es umfasst alle Lebensbereiche des Menschen, von der Arbeit über die Kontakte zur Familie und die Freizeitgestaltung bin hin zur Führung des Haushalts. Persönliche Assistenten und Assistentinnen sind damit die ausführende Kraft des Menschen mit Behinderung, ihr Arm, ihr Bein und ihre Hand. Das beginnt morgens mit der Hilfe beim Aufstehen und endet mit der Bettruhe am Abend. Es deckt alle Wege dazwischen ab, zur Arbeit, zum Amt, aber auch ins Kino oder ins Konzert.

Im Gegensatz zur Pflegekraft begleitet die Assistenz den Menschen lediglich. Sie nimmt in der Regel keine medizinischen Aufgaben wahr. Da sie aber alle Lebensbereiche eines Behinderten begleitet, muss die Chemie zwischen ihr und den Klienten bzw. Klientinnen stimmen. Menschen mit Behinderung können sich daher selbst das Team aussuchen, das sie von früh bis spät begleitet und sich teilweise auch rund um die Uhr um sie kümmert.

Natürlich haben Menschen, die eine Persönliche Assistenz für sich in Betracht ziehen, im Vorfeld viele Fragen. Am besten wenden sie sich an Vereine, die sich speziell für diesen Personenkreis einsetzen. Unter ihnen gibt es auch Interessenvertretungen, die von Behinderten für Behinderte angeboten werden. Eine von ihnen ist die „Interessenvertretung selbstbestimmt leben“ aus Berlin.

Was muss man können, um in der Persönlichen Assistenz zu arbeiten?

Viele Assistenten und Assistentinnen sind Quereinsteiger:innen, die vorher in ganz anderen Berufen tätig waren. Um in die Assistenz zu wechseln, sind allerdings gewisse Qualifikationen nötig. In der Regel ist dies ein „Basiskurs Pflege“, der 200 Unterrichtsstunden in Theorie und Praxis umfasst und unter Umständen vom Jobcenter finanziert werden kann. Dagegen ist die nötige Einstellung schwer zu erlernen: Menschen, die in der Assistenz arbeiten, müssen ein großes Herz und eine professionelle Haltung zu ihrem Beruf haben. Das heißt vor allem auch, von der Arbeit abschalten zu können, um sich nicht zu überfordern. Ein gewisses Organisationstalent und körperliche Belastbarkeit sind darüber hinaus sehr zu empfehlen. Einer der führenden Dienstleister für persönliche Assistenz in Berlin gibt viele Tipps für Einsteiger:innen.

Wie sieht das Arbeitsverhältnis in der Persönlichen Assistenz aus?

Es gibt in der Assistenz zwei Arbeitsmodelle. Zum einen das Arbeitgebermodell und zum anderen die Arbeit für eine(n) Assistenzdienstleister:in. Während sich das Aufgabenprofil kaum unterscheidet, wird im ersten Modell direkt für einen behinderten Menschen gearbeitet. Im Dienstleistungsmodell hingegen ist die Person für eine(n) Assistenzdienstleister:in tätig, der diese Leistungen für einen Behinderten übernommen hat. In der Regel betreut dieser gleich mehrere Menschen, die Teams sind größer und die Arbeit ist in der Regel stärker strukturiert. Beide Modelle haben ihre Vorteile. Für das zweite Modell spricht, nicht von einem einzelnen Menschen abhängig zu sein, sondern zur Not auch intern wechseln zu können. Über die Unterschiede zwischen den Modellen informieren verschiedene Internetseiten.

Die Arbeit in der Persönlichen Assistenz ist in jedem Fall eine zwar fordernde, aber auch erfüllende Tätigkeit. Sie bietet eine gute Möglichkeit, Beruf und Familie miteinander zu vereinen und darüber hinaus eine überraschend gute berufliche Perspektive.

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