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Wenn der Körper nicht mehr passt: Was körperformende Eingriffe leisten können und was nicht

Bauch einer Person mit OP-Markierungen vor einem körperformenden Eingriff wie Bauchdeckenstraffung oder ästhetischer Korrektur

Was können körperformende Eingriffe nach Gewichtsverlust, Schwangerschaft leisten?© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Viele Menschen kennen das Gefühl, nach einer langen Veränderungsphase nicht mehr im eigenen Körper anzukommen. Gewichtsverlust, Schwangerschaften, der natürliche Lauf der Zeit. Körperformende Eingriffe wie Bauchdeckenstraffungen oder Brustkorrekturen sind längst kein Randthema mehr. Wir haben uns mit dem Thema genauer beschäftigt und dabei auch mit Dr. Hamid Joneidi Jafari gesprochen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der spezialisierten Klinik „Ästhetik-Centrum am Husemannplatz“ in Bochum.

Redaktion: Wer entscheidet sich eigentlich für eine Bauchdeckenstraffung oder eine Brustkorrektur, und warum?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Das ist eine Frage, die ich mir selbst am Anfang meiner Karriere auch gestellt habe. Was wir heute sehen, ist ein sehr breites Spektrum. Viele unserer Patienten und Patientinnen haben in den Jahren zuvor enorm viel geleistet. Sie haben 30, 40 Kilo abgenommen, oft nach bariatrischen Operationen oder durch konsequente Ernährungsumstellung. Und dann stehen sie vor einem Problem, das kein Training der Welt löst: überschüssige Haut, die sich schlicht nicht mehr zurückbildet. Das ist biologisch bedingt, kein persönliches Versagen. Für diese Menschen ist die Operation kein Luxus, sondern der logische Abschluss eines langen Weges.

Redaktion: Gibt es eine medizinische Grundlage dafür, solche Eingriffe als gesundheitsrelevant einzuordnen, oder ist das immer noch ein ästhetisches Thema?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Die Trennung, die da oft gemacht wird, ist zu simpel. Überschüssige Bauchhaut nach massivem Gewichtsverlust kann zu Hautreizungen, Infektionen und dauerhaften Beschwerden führen. Das ist eine medizinische Realität. Und die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit seit Jahrzehnten nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Wer das ernst nimmt, kommt nicht daran vorbei, dass das Selbstbild und die Lebensqualität eines Menschen etwas mit seiner Gesundheit zu tun haben. Menschen, die sich in ihrem Körper unwohl fühlen, meiden oft Sport, ziehen sich sozial zurück, haben Schwierigkeiten im Alltag. Das sind keine Kleinigkeiten.

Redaktion: Wie läuft eine solche Bauchdeckenstraffung medizinisch gesehen ab?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Bei der klassischen Abdominoplastik wird überschüssige Haut und Fettgewebe im Bauchbereich entfernt und die Bauchmuskulatur, die nach Schwangerschaften oder starker Gewichtszunahme oft auseinandergewichen ist, wieder zusammengeführt. Das ist ein Eingriff, der eine sorgfältige Planung erfordert. Wo verläuft die Narbe? Wie viel Gewebe wird entfernt? Wie ist der Allgemeinzustand des Patienten oder der Patientin? Das sind keine Standardfragen, sondern sehr individuelle Abwägungen. Es gibt keine zwei identischen Eingriffe, weil es keine zwei identischen Menschen gibt.

Redaktion: Was sollten Patienten und Patientinnen bei der Wahl eines Arztes bzw. einer Ärztin oder einer Klinik unbedingt beachten?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Zuerst: nach dem Facharzttitel fragen. In Deutschland setzt der Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie eine mehrjährige, strukturierte Weiterbildung in anerkannten Kliniken voraus. Das ist nicht dasselbe wie ein Zertifikat aus einem Kurs. Dann die Klinikstruktur. Eine staatlich konzessionierte Privatklinik nach Paragraf 30 der Gewerbeordnung unterliegt anderen gesetzlichen Anforderungen als eine ambulante Praxis mit Eingriffsraum. Das betrifft Operationssäle, Notfallkonzepte, stationäre Überwachung. Wenn bei einem Eingriff etwas nicht nach Plan läuft, macht dies in der Praxis einen erheblichen Unterschied. Und dann natürlich das Gespräch selbst. Ein Arzt, dem Fragen unangenehm sind, gibt damit bereits eine Antwort.

Redaktion: Wie hat sich das Bild der typischen Patienten und Patientinnen in den letzten Jahren verändert?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Deutlich. Wir sehen heute viel mehr jüngere Menschen, oft zwischen 28 und 40, die nach einer echten Lebensveränderung zu uns kommen. Und wir sehen, dass die Entscheidung meist reifer und überlegter ist als viele vermuten. Die meisten Patienten und Patientinnen recherchieren über Monate, holen mehrere Meinungen ein, warten ab. Das ist eine gute Entwicklung. Es bedeutet, dass die Menschen wissen, was sie wollen, und dass sie die Entscheidung nicht impulsiv treffen.

Redaktion: Was hat sich technisch bei diesen Eingriffen in den letzten Jahren verändert?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Die Operationstechniken sind feiner geworden. Narbenverläufe werden heute präziser geplant, Wundverschlüsse schonender durchgeführt. Und das ästhetische Verständnis hat sich verändert. Der Trend geht weg vom radikalen Umbau hin zu Eingriffen, die vorhandene Proportionen harmonisieren. Was wirklich gut aussieht, fällt kaum auf. Das ist mittlerweile ein Qualitätsmerkmal in unserem Fach, kein Kompromiss.

Redaktion: Was würden Sie jemandem mitgeben, der oder die gerade am Anfang dieses Überlegungsprozesses steht?

Dr. Hamid Joneidi Jafari: Nehmen Sie sich Zeit. Lassen Sie sich nicht drängen, weder von Angeboten noch von sich selbst. Gehen Sie in mehr als ein Beratungsgespräch. Fragen Sie konkret: Wer operiert mich? Wer ist nach der Operation für mich erreichbar? Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Gute Ärzte und Ärztinnen empfinden diese Fragen nicht als Angriff, sondern als Zeichen dafür, dass jemand die Sache ernst nimmt. Und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Wenn Sie ein Gespräch mit einem unguten Gefühl verlassen, ist das eine Information, die Sie ernst nehmen sollten.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Joneidi Jafari.

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