{"id":4720,"date":"2018-01-03T12:37:33","date_gmt":"2018-01-03T11:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/?p=4720"},"modified":"2024-04-09T13:13:34","modified_gmt":"2024-04-09T11:13:34","slug":"auf-den-spuren-der-evolution-was-zaehne-ueber-unsere-menschheitsgeschichte-verraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/lexikon\/zahnmedizin\/auf-den-spuren-der-evolution-was-zaehne-ueber-unsere-menschheitsgeschichte-verraten\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren der Evolution \u2013 was Z\u00e4hne \u00fcber unsere Menschheitsgeschichte verraten"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wussten Sie, dass sich aus Z\u00e4hnen mehr \u00fcber die Lebensweise fr\u00fcher Menschen und ausgestorbener Tiere und deren Umwelt herauslesen l\u00e4sst als aus versteinerten Knochen? Nat\u00fcrlich verraten Form und Aufbau viel \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/ratgeber\/gewohnheiten-unserer-vorfahren-die-eigentlich-sehr-gesund-waren\/\">Lebens- und Verhaltensweisen<\/a> von damals, aber inzwischen ist die Forschung ein ganzes St\u00fcck weiter: Die Analyse von Abnutzungsspuren, Gebisszustand und chemischem Aufbau der Zahnsubstanz macht es m\u00f6glich, Umwelt und kulturelle Zusammenh\u00e4nge, Ern\u00e4hrungsstrategien und den t\u00e4glichen Speiseplan von damals dreidimensional zu rekonstruieren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dank der modernen arch\u00e4ologischen Forschung, die sich mehr und mehr \u00fcber interdisziplin\u00e4re Untersuchungsmethoden definiert, werden diese Rekonstruktionsversuche immer genauer. Auf jeder arch\u00e4ologischen Expedition finden sich daher neben reinen Arch\u00e4ologen auch Arch\u00e4obotaniker und Arch\u00e4ozoologen, die Laborproben f\u00fcr pal\u00e4ontologische Erkenntnisse sammeln. <\/span><\/p>\n<h2>Die besten Entdeckungen liegen im Detail<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei der Untersuchung des Gebisses eines Neandertalers, das Ende der 50er Jahre im franz\u00f6sischen Le R\u00e9gourdou gefunden wurde, lie\u00df sich anhand der Kratzspuren auf den Zahnfl\u00e4chen Folgendes feststellen: Das m\u00e4nnliche Individuum wurde 20 Jahre alt \u2013 und war Rechtsh\u00e4nder. Daf\u00fcr sprachen die vielen feinen Rillen, die von rechts oben nach links unten f\u00fchrten. Bei Linksh\u00e4ndern verh\u00e4lt sich dieses Muster genau andersherum. Man muss dazu sagen, dass Neandertaler ihr Gebiss viel mehr beanspruchten als der moderne <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Homo sapiens<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, denn es diente als \u201edritte Hand\u201c, au\u00dferdem standen z\u00e4he Kost wie Fleisch und Wurzeln an der Tagesordnung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Zusammensetzung des Zahnschmelzes zeigt an, wie lange ein Mensch gestillt wurde. Bei diesem Verfahren bestimmen die Forscher mit einem Massenspektrometer das Verh\u00e4ltnis der beiden Elemente Strontium und Kalzium im Zahnschmelz. So kann untersucht werden, wie lange nomadisch lebende J\u00e4ger-und-Sammler-Kulturen ihre Kinder stillten oder wie die Ern\u00e4hrung von Kindern solcher Kulturen aussah, die am Anfang landwirtschaftlich gepr\u00e4gter Subsistenzstrategien standen.<\/span><\/p>\n<h2>Die Leiden des alten \u201e\u00d6tzi\u201c<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die wohl ber\u00fchmteste Gletschermumie aller Zeiten ist zweifelsohne der Anfang der 90er Jahre durch Zufall entdeckte Mann aus der Bronzezeit \u201e\u00d6tzi\u201c. Die DNA-Analysen machen klar: Er hatte braune Augen, vertrug keinen Milchzucker, besa\u00df ein erh\u00f6htes Infarktrisiko durch Arteriosklerose und litt an Borreliose. Auch scheint es keine lebenden Nachkommen von ihm zu geben. Sein Zahnstatus legt zudem nahe, dass der verungl\u00fcckte bzw. ermordete Mann aus dem Eis an Zahnabschleifungen, Paradontitis, und Karies litt. Au\u00dferdem hatte er einen, vermutlich unfallbedingt, abgestorbenen Frontzahn. Vor allem im Bereich der Molaren lie\u00df sich ein Verlust des parodontalen St\u00fctzgewebes feststellen, der beinahe die Wurzelspitze erreichte.<\/span><\/p>\n<h2>Zahnarchive: Welche Geheimnisse in Isotopen und DNA von Z\u00e4hnen stecken<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die (nicht immer genaue) zeitliche Einordnung von Funden, Knochen- und Zahnmaterial mittels der Radiokarbonmethode, ist in der Arch\u00e4ologie nicht erst seit gestern Standard. Die sogenannten Isotopenanalysen sind hingegen relativ neu. Mit ihrer Hilfe l\u00e4sst sich ablesen, wo jemand zur Welt gekommen ist oder wo er die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat. Denn \u201eIsotope\u201c \u2013 Varianten eines Elements mit unterschiedlich vielen Neutronen im Atomkern \u2013 sind regional unterschiedlich in ganz bestimmten Mengenverh\u00e4ltnissen zueinander anzutreffen. Den Z\u00e4hnen kommt im Rahmen dieser neuen Methode eine besondere Rolle zu: Menschliche Knochen erneuern sich n\u00e4mlich etwa alle sieben Jahre \u2013 bei den Z\u00e4hnen verh\u00e4lt es sich anders. Sie haben die Isotopie der Mutter angenommen und behalten diese bei. Der Ort der Geburt ist damit in den Z\u00e4hnen quasi \u201earchiviert\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aber auch \u00fcber die Ern\u00e4hrung geben die kostspieligen Isotopenanalysen Auskunft: Zum Beispiel, ob jemand haupts\u00e4chlich Fisch gegessen hat und entsprechend ein K\u00fcstenbewohner war. H\u00e4ufiger Konsum von Fleisch k\u00f6nnte (zumindest in sozial stratifizierten Gesellschaften) darauf hindeuten, dass man der sozialen Oberschicht angeh\u00f6rte, w\u00e4hrend Vegetarier wohl eher dem \u00e4rmeren Teil der Bev\u00f6lkerung zuzurechnen waren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"> \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass sich aus Z\u00e4hnen mehr \u00fcber die Lebensweise fr\u00fcher Menschen und ausgestorbener Tiere und deren Umwelt herauslesen l\u00e4sst als aus versteinerten Knochen? 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