{"id":4159,"date":"2017-04-17T19:34:23","date_gmt":"2017-04-17T17:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/?p=4159"},"modified":"2017-04-17T23:20:37","modified_gmt":"2017-04-17T21:20:37","slug":"meine-geschichte-wie-ich-zu-einer-befoerderung-kam-indem-ich-das-trinken-aufgegeben-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/ratgeber\/meine-geschichte-wie-ich-zu-einer-befoerderung-kam-indem-ich-das-trinken-aufgegeben-habe\/","title":{"rendered":"Meine Geschichte: Wie ich zu einer Bef\u00f6rderung kam, indem ich das Trinken aufgegeben habe"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Womit am besten anfangen?\u00a0\u2013 Wahrscheinlich mit einem Bekenntnis, das mir heute nicht mehr so schwer \u00fcber die Lippen geht: ICH BIN <\/span><a href=\"http:\/\/www.internisten-im-netz.de\/de_was-ist-sucht_728.html\"><span style=\"font-weight: 400;\">ALKOHOLIKER<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Einmal Alkoholiker \u2013 immer Alkoholiker. Der Unterschied ist nur: trocken oder nicht trocken. Ich jedenfalls bin trocken und habe vor, das auch zu bleiben. Nat\u00fcrlich kann ich nicht daf\u00fcr garantieren, aber wer kann schon in die Zukunft blicken. Aber ich tue etwas f\u00fcr mich und das hilft: einmal die Woche in eine Selbsthilfegruppe und einmal in einen offenen Gespr\u00e4chskreis. Wer denkt, da wird nur \u00fcber den \u201eStoff\u201c gesprochen, hat keine Ahnung. Eigentlich geht es in beiden Runden um Lebensbew\u00e4ltigung und Lebenskrisen, wie sie jeder jederzeit erleben kann. Und wie ich sie am eigenen Leibe erfahren habe und sie mir fast zum Verh\u00e4ngnis geworden w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p><strong>Lange Trinker-Karriere<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe schon immer getrunken, jedenfalls seit der Oberstufe des Gymnasiums. Wir sind damals oft abgest\u00fcrzt, haben also das gemacht, was man heute Komasaufen nennt. Allerdings musste ich nie in ein Krankenhaus zur <\/span><a href=\"http:\/\/www.a-connect.de\/faq.php\"><span style=\"font-weight: 400;\">Entgiftung<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Eigentlich h\u00e4tte ich zufrieden sein sollen, war es aber nicht. Denn beruflich bin ich gut vorw\u00e4rts gekommen, habe ein abgeschlossenes Studium mit Promotion und einen gut bezahlten Job, bei dem auch mein Gehalt j\u00e4hrlich immer weiter stieg. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Andere w\u00e4ren hochzufrieden gewesen, ich aber nicht. Denn eigentlich war ich niemals mit dem zufrieden, was ich geleistet hatte, auch oder gerade dann, wenn andere mich lobten. Da war der \u201eFreund\u201c Alkohol schon ein bew\u00e4hrter Helfer, mit ihm war es zu diesem Zeitpunkt noch prima m\u00f6glich, mein angekratztes Selbstwertgef\u00fchl zu stabilisieren. Auch mit der Familie \u2013 ich habe zwei inzwischen erwachsene Kinder \u2013 h\u00e4tte ich zufrieden sein sollen. Aber ich habe auch hier nicht aufgepasst \u2013\u00a0irgendwann hatte meine Frau meine Sauferei satt und die Scheidung eingereicht.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.arzttermine.de\/?utm_source=magazin&amp;utm_medium=magazin_banner&amp;utm_campaign=magazin_banner\" target=\"_self\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/www.arzttermine.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/content_3_banner.jpg\" alt=\"Arzttermine.de Online Termine buchen\" width=\"770\" height=\"230\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Irgendwann lief es aus dem Ruder<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu diesem Zeitpunkt ging die Abw\u00e4rtsspirale erst so richtig los: keine Chance, ohne einen Liter Wein vorher zur Arbeit zu gehen, und immer mit der \u2013\u00a0trotz des intensiven Gebrauchs von Mundwasser und Kaugummi \u2013 naiven Meinung: \u201eDas merkt ja keiner.\u201c Nun musste ich auch \u00fcber den Tag immer mehr trinken m\u00fcssen, damit die Stimmung nicht in den Keller ging. Ich war ein perfektes Beispiel f\u00fcr einen perfekten Spiegeltrinker, der auf der Arbeit noch funktioniert hat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nun denkt der \u201eAlki\u201c, der sich seine Sucht noch nicht eingestanden hat (oder es noch nicht konnte, was ja auch nicht so einfach ist), ein wirklicher Alkoholiker lebt als Parkpenner auf einer Bank mit seiner\u00a0\u201ePulle\u201c Schnaps. Irrtum! Es gibt jede Menge Alkoholiker, die noch ganz gut funktionieren und nicht sonderlich auffallen, in allen Berufen und gesellschaftlichen Schichten. So einer war ich schlie\u00dflich auch &#8230;<\/span><\/p>\n<p><strong>Sein oder Nichtsein<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dass ich noch gut funktionierte, dachte ich allen Ernstes und damit war ich auf dem bekannten Holzweg. Denn auf meiner Arbeitsstelle mit Kundenkontakten war mein Trinkverhalten aufgefallen. Hatte sich da einer beschwert oder war es den Kollegen aufgefallen? Heute frage ich mich: Wollte mir da vielleicht nur jemand helfen? Damals h\u00e4tte ich das kategorisch verneint \u2013 ich brauchte doch keine Hilfe! Ich und Alkoholiker! Ich ging doch jeden Tag zur Arbeit und hing nicht unter Br\u00fccken herum. ICH NICHT.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df noch wie heute: Ein Betriebsrat kam, erwischte mich\u00a0\u201eauf frischer Tat\u201c, bot mir aber Hilfe an. Obwohl ich Probleme erst einmal standhaft leugnete, war mir zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass etwas geschehen musste, wollte ich mich nicht zu Tode saufen. Ein Gespr\u00e4ch mit meinem Vorgesetzten gab mir dann den Rest, setzte er mir doch\u00a0\u201edie Pistole auf die Brust\u201c\u00a0\u2013 Entzug oder Rausschmiss. Selbst wenn das nicht so einfach umzusetzen gewesen w\u00e4re, machte es Eindruck auf mein benebeltes Gehirn, denn nun drohte neben dem Verlust der Familie auch die Arbeitslosigkeit.<\/span><\/p>\n<p><strong>Therapie in die Trockenheit<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Also Entgiftung und anschlie\u00dfend Langzeittherapie. Hier bekam ich f\u00fcnf Monate die Gelegenheit, \u00fcber meine Probleme und den dadurch ausgel\u00f6sten Alkoholismus Klarheit zu bekommen. Kurz gesagt: Ich fand langsam mein versch\u00fcttetes Selbstwertgef\u00fchl wieder und begann, mein Leben zu reflektieren. Hatte ich erwartet, man w\u00fcrde mit dem Finger auf mich Alkoholiker zeigen, war ich (wie fast alle Betroffenen) \u00fcberrascht: Die Reaktionen waren nie negativ, sondern lagen zwischen Akzeptanz und Zustimmung.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Klinikaufenthalt kam ich auf meine alte Stelle zur\u00fcck. Alle wussten Bescheid und akzeptierten, dass ich keinen Alkohol trank. Wer trotzdem insistierte, dem erz\u00e4hlte ich von meinem Alkoholismus. Ich war \u00fcberrascht, dass es auch ohne \u201eStoff\u201c ging &#8211; und das sogar sehr gut. Eigentlich h\u00e4tte ich w\u00e4hrend meines Absturzes bef\u00f6rdert werden sollen, nichts Gro\u00dfes, aber f\u00fcr mich sehr wichtig. Klar, dass ich das verspielt hatte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dann, anderthalb Jahre nach dem Klinikaufenthalt und seither trocken, kam eine Einladung zum Gespr\u00e4ch mit meinem Chef. Jetzt konnte ich entspannt ohne Mundsp\u00fclung und Pfefferminz hingehen. Was mich da wohl erwarten w\u00fcrde? Zwei Dinge\u00a0\u2013 die nun nachgeholte Bef\u00f6rderung und, fast noch wichtiger, eine Gratulation zu meiner Trockenheit. Eine erste Bew\u00e4hrungszeit war vor\u00fcber.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Womit am besten anfangen?\u00a0\u2013 Wahrscheinlich mit einem Bekenntnis, das mir heute nicht mehr so schwer \u00fcber die Lippen geht: ICH BIN ALKOHOLIKER. Einmal Alkoholiker \u2013 immer Alkoholiker. Der Unterschied ist nur: trocken oder nicht trocken. Ich jedenfalls bin trocken und habe vor, das auch zu bleiben. 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