
Viele Menschen erwarten von einem großen Blutbild einen umfassenden Überblick über ihre Gesundheit. Der Name legt nahe, dass dabei zahlreiche Organ-, Stoffwechsel- und Nährstoffwerte überprüft werden. Tatsächlich konzentriert sich die Untersuchung jedoch auf einen klar abgegrenzten Bereich: die verschiedenen Zellen des Blutes.
Ein großes Blutbild kann wichtige Hinweise auf Blutarmut, Infektionen und Erkrankungen des blutbildenden Systems liefern. Es zeigt jedoch weder automatisch die Funktion von Leber, Nieren oder Schilddrüse noch den Vitamin-, Eisen- oder Hormonstatus. Um die Ergebnisse richtig einzuordnen, müssen Ärzte und Ärztinnen deshalb auch Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und weitere Befunde berücksichtigen.
Wer über den Umfang des großen Blutbilds hinaus weitere Laborwerte untersuchen lassen möchte, stößt teilweise auf Begriffe wie Bluttuning. Gemeint sind damit meist erweiterte Blutanalysen, die zusätzliche Parameter etwa zum Stoffwechsel, Hormonhaushalt oder zur Mikronährstoffversorgung einbeziehen. Welche Untersuchungen medizinisch sinnvoll sind, hängt jedoch von den individuellen Beschwerden, Vorerkrankungen und der jeweiligen Fragestellung ab. Ein möglichst umfangreiches Laborprofil ist daher nicht automatisch aussagekräftiger.
Um die Möglichkeiten und Grenzen solcher Untersuchungen besser einordnen zu können, lohnt sich zunächst ein genauer Blick darauf, welche Werte das große Blutbild tatsächlich umfasst.
Großes Blutbild: Welche Werte werden untersucht?
Das große Blutbild besteht aus zwei Untersuchungen: dem kleinen Blutbild und dem Differenzialblutbild.
Das kleine Blutbild erfasst die wichtigsten Blutzellen:
- Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Körper.
- Weiße Blutkörperchen sind an der Immunabwehr beteiligt.
- Blutplättchen unterstützen die Blutgerinnung.
Zusätzlich bestimmt das Labor unter anderem den Hämoglobinwert und den Hämatokrit. Weitere Kennzahlen beschreiben die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen und ihren Gehalt an rotem Blutfarbstoff. Diese Werte können beispielsweise bei der Einordnung einer Blutarmut helfen.
Während das kleine Blutbild einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Blutzellen liefert, betrachtet das Differenzialblutbild die weißen Blutkörperchen genauer. Es unterscheidet verschiedene Untergruppen wie Lymphozyten, Monozyten und Granulozyten. Abweichungen können Hinweise auf Infektionen, allergische Reaktionen, Entzündungen oder Erkrankungen des blutbildenden Systems geben.
Die Ergebnisse erlauben jedoch meist noch keine eindeutige Diagnose. Ähnliche Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb beurteilen Ärzte und Ärztinnen die Laborwerte immer zusammen mit den Beschwerden und weiteren Untersuchungsergebnissen.
Ebenso wichtig wie die untersuchten Werte ist die Frage, welche Laborparameter nicht zum großen Blutbild gehören.
Welche Werte gehören nicht zum großen Blutbild?
Viele Laborwerte, die im allgemeinen Sprachgebrauch als „Blutwerte“ bezeichnet werden, sind kein Bestandteil des großen Blutbilds.
Dazu gehören beispielsweise:
- Leber- und Nierenwerte
- Blutzucker und Langzeitblutzucker
- Cholesterin und weitere Blutfette
- Schilddrüsenhormone
- Ferritin und weitere Werte des Eisenstoffwechsels
- Vitamin- und Spurenelementspiegel
- verschiedene Hormone und Entzündungsmarker
Ob solche Werte zusätzlich untersucht werden sollten, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Bei anhaltender Müdigkeit können beispielsweise andere Untersuchungen sinnvoll sein als bei Gewichtsveränderungen, wiederkehrenden Infekten oder dem Verdacht auf eine Stoffwechselerkrankung.
Ein umfangreiches Laborprofil ist deshalb nicht grundsätzlich besser als eine gezielte Auswahl. Entscheidend ist, ob die untersuchten Werte zu Ihren Beschwerden, Risiken und Vorerkrankungen passen. Welche Bedeutung einzelne Abweichungen haben können, zeigt sich besonders bei der ärztlichen Einordnung auffälliger Blutwerte.
Was können Auffälligkeiten im Blutbild bedeuten?
Veränderte Blutwerte können die weitere Diagnostik unterstützen. Sie zeigen jedoch häufig nur, dass eine Abweichung vorliegt – nicht automatisch, wodurch sie verursacht wird.
Bei einer Blutarmut sind beispielsweise der Hämoglobinwert und die Zahl der roten Blutkörperchen häufig vermindert. Die Größe und Beschaffenheit der Blutzellen kann erste Hinweise auf mögliche Ursachen geben. Ob ein Eisenmangel, ein Vitaminmangel, eine chronische Erkrankung oder ein anderer Auslöser vorliegt, müssen weitere Untersuchungen klären.
Auch die weißen Blutkörperchen können sich verändern. Erhöhte oder verringerte Werte sowie eine auffällige Verteilung der einzelnen Zellarten können unter anderem bei Infektionen, Entzündungsreaktionen, Allergien oder Erkrankungen des Immunsystems auftreten. Das Blutbild allein zeigt jedoch nicht zuverlässig, welche Erkrankung dahintersteckt.
Sind mehrere Arten von Blutzellen deutlich verändert, können weiterführende hämatologische Untersuchungen notwendig sein. Dazu gehören je nach Befund zusätzliche Laboranalysen, eine mikroskopische Untersuchung der Blutzellen oder weitere diagnostische Verfahren.
Nicht nur auffällige Werte müssen richtig eingeordnet werden. Auch ein unauffälliges Ergebnis lässt nur begrenzte Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand zu.
Kann eine Erkrankung trotz normalem Blutbild vorliegen?
Ein unauffälliges großes Blutbild schließt viele Erkrankungen nicht aus. Die Untersuchung erfasst nur einen bestimmten Teil der möglichen Laborwerte und bildet nicht sämtliche Vorgänge im Körper ab.
Ein Eisenmangel kann beispielsweise bereits bestehen, obwohl der Hämoglobinwert noch im Referenzbereich liegt. In dieser frühen Phase sind die Eisenspeicher vermindert, ohne dass sich bereits eine Blutarmut entwickelt hat. Um den Eisenstatus zu beurteilen, benötigen Ärzte und Ärztinnen zusätzliche Werte wie Ferritin und gegebenenfalls die Transferrinsättigung.
Auch ein Vitamin-B12- oder Folsäuremangel führt nicht immer sofort zu sichtbaren Veränderungen im Blutbild. Ebenso können Schilddrüsen-, Leber-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen vorliegen, ohne dass die untersuchten Blutzellen auffällig sind.
Deshalb sollten Sie anhaltende oder neue Beschwerden ärztlich abklären lassen, auch wenn Ihr Blutbild unauffällig ist. Welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach der individuellen Situation. Neben dem Umfang der Untersuchung spielt zudem eine Rolle, wie einzelne Laborwerte bewertet werden.
Warum einzelne Laborwerte wenig aussagen können
Laborbefunde enthalten meist Referenzbereiche. Sie dienen als Orientierung, sind aber nicht mit einer festen Grenze zwischen „gesund“ und „krank“ gleichzusetzen.
Ein Wert kann außerhalb des angegebenen Bereichs liegen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Umgekehrt können Werte innerhalb des Referenzbereichs bei bestimmten Beschwerden trotzdem weiter abgeklärt werden.
Auch verschiedene äußere Faktoren können Laborwerte beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise Flüssigkeitszufuhr, körperliche Belastung, Medikamente, akute Infektionen und der Zeitpunkt der Blutentnahme.
Ärzte und Ärztinnen sollten deshalb nicht nur einzelne Zahlen betrachten, sondern auch Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, mögliche Risikofaktoren und die Entwicklung der Werte im zeitlichen Verlauf berücksichtigen.
Erweiterte Blutuntersuchungen gezielt auswählen
Wenn das große Blutbild eine medizinische Frage nicht beantwortet, können zusätzliche Laborwerte sinnvoll sein. Bei Verdacht auf einen Eisenmangel können beispielsweise Ferritin und weitere Werte des Eisenstoffwechsels untersucht werden. Bei möglichen Schilddrüsenerkrankungen sind spezielle Hormonwerte notwendig. Für die Beurteilung von Leber und Nieren stehen wiederum andere Laborparameter zur Verfügung.
Unter der Bezeichnung Bluttuning werden teilweise umfangreichere Blutanalysen angeboten, die zusätzliche Werte aus Bereichen wie Mikronährstoffversorgung, Stoffwechsel oder Hormonhaushalt umfassen. Der Umfang einer Untersuchung allein sagt jedoch nichts über ihren medizinischen Nutzen aus. Entscheidend ist, ob die ausgewählten Werte zu einer konkreten Fragestellung passen und fachgerecht eingeordnet werden.
Zusätzliche Blutanalysen können beispielsweise bei anhaltenden Beschwerden, bestimmten Vorerkrankungen oder familiären Risiken sinnvoll sein. Ohne konkrete medizinische Fragestellung können umfangreiche Laborpakete dagegen auch Werte erfassen, deren Bedeutung unklar ist oder die lediglich zufällig vom Referenzbereich abweichen.
Besprechen Sie deshalb vor einer erweiterten Untersuchung, welche Werte bestimmt werden sollen und welche Konsequenzen sich aus möglichen Ergebnissen ergeben könnten. Klären Sie außerdem, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt oder ob es sich um eine Selbstzahlerleistung handelt.
Weitere Informationen
- Vitamine und Nährstoffmangel: Warum ein genaueres Blutbild Ihr Wohlbefinden verbessern kann – Interview mit Thiemo Osterhaus: https://www.aerzte.de/gesundheitsratgeber/der-blutwerte-code-interview-mit-thiemo-osterhaus
- Blutwerte: Großes Blutbild oder kleines Blutbild: https://www.sanego.de/ratgeber/blutwerte-grosses-blutbild-kleines-blutbild
- Das bedeuten Ihre Blutwerte: https://www.br.de/radio/bayern1/grosses-blutbild-102.html





















